Presse
08.02.2012, 20:33 Uhr
erfolgreiche Veranstaltung POLITIK-LOKAL mit Landratskandidat Dr. Markus Bachen
Das Schulsystem im Kreis Alzey-Worms - der Weisheit letzter Schluss?
Am Dienstag, den 07.02. fand im Restaurant „Alte Post“ eine weitere Veranstaltung aus der POLTIK-LOKAL-Reihe des CDU-Stadtverbandes statt. Trotz widriger Witterungsverhältnisse mit Schneefall konnten die anwesenden Gäste eine interessante Veranstaltung erleben.
Landratskandidat Dr. Markus Bachen
Der Schneefall bis in den Abend hinein ließ auch den Referenten und CDU-Landratskandidaten Dr. Markus Bachen mit einigen Minuten Verspätung eintreffen. Dennoch konnten diejenigen, die es durch den Schnee geschafft hatten, interessante Fakten zum Thema Bildungspolitik und Schulwesen im Kreis hören.
Auch die in der anschließenden Diskussionsrunde gestellten konkreten Fragen an den Landratskandidaten sowie zahlreiche Wortbeiträge zeigten, dass das Thema Schulwesen und die Umsetzung im Kreis der Bevölkerung sehr wichtig ist.

Bachen verwies in seinem historischen Rückblick der letzten 30 Jahre darauf, dass das frühere klar gegliederte und verständliche Schulsystem mit Haupt-, Realschule und Gymnasium seit dem Regierungswechsel immer mehr aufgeweicht wurde.
War zu CDU-Regierungszeiten der Wille z.B. nach Optimierung der MSS das Ziel, ließ die neue SPD-Regierung z.B. die von der Grundschule ausgestellte Schulempfehlung als nicht mehr absolut bindend gelten.
Durch die weiterhin seit 1991 anhaltende Präferierung der IGS (Integrierte Gesamtschule) seien die Hauptschulen immer mehr ausgeblutet worden, was letztlich dazu führte, dass niemand mehr seine Kinder auf die Hauptschulen schicken wollte.
Um dem Rechnung zu tragen, wurde eine weitere Schulreform durchgeführt, die die Hauptschulen „abschaffte“ und in die Realschule+ überführte. Diese seien aber längst nicht so stabil, wie es sich die Landesregierung anfänglich vorgestellt hatte. Noch sei es aber zu früh, ein endgültiges Fazit zu ziehen.

Konnte man früher davon ausgehen, dass angehende Lehrlinge, die von den Hauptschulen kamen, engagiert und mit der entsprechenden Bildung versehen, ihre Ausbildung beendeten, konnte man das in den letzten Jahren leider nicht mehr feststellen. Aber nicht jeder, der nunmehr von seinen Eltern auf die Realschule oder gar das Gymnasium geschickt wurde, eignet sich auch für diesen Schultyp.

Als Lehrer erlebe er jeden Tag den Balanceakt, die unterschiedlichen Schülertypen in einer Klasse angemessen zu fördern und zu fordern. Besonders extrem sei dies jedoch beim Schultyp IGS, denn hier werden leistungsstarke und leistungsschwächere Schüler in einer Klasse gemeinsam unterrichtet. Auf welchen Schülertyp also soll sich der Lehrer fokussieren?
„Lasse ich mich auf die Schwachen ein, langweilen sich die Stärkeren. Gebe ich diesen dann Zusatzaufgaben, werden sie diese vielleicht eine Zeit lang akzeptieren. Aber spätestens, wenn sie realisieren, dass sie immer mehr machen müssen, als die anderen der Klasse oder gar als Streber gehänselt werden, wird der Schüler umdenken und sich resigniert an den Schwächeren orientieren. Lasse ich mich auf die Starken ein, fallen die Schwächeren noch mehr ab und sind frustriert. Hier den Mittelweg zu finden, ist eigentlich unmöglich, um jedem die bestmögliche Förderung und Forderung zu geben“, so Bachen.

Die neuen Realschulen+ bieten den Schülern zwei Abschlussarten an: der Berufsreifeabschluss ähnelt dem ehemaligen Hauptschule und der Abschluss der Sekundarstufe I ist dem alten Realschulabschluss vergleichbar.

Für Bachen ist klar, dass der Landkreis diesen Abschlüssen unbedingt mehr Gewicht beimessen muss. „Wir brauchen nicht nur Häuptlinge, wir brauchen auch viele viele gut ausgebildete Indianer!“ so Bachen. Sollte er am 11. März zum Landrat gewählt werden, werde er sich vehement dafür einsetzen und entsprechend stetig bei den Unternehmen werben und auch auf Aufklärung bei den Eltern setzen.

Bei der Menge an Schulen, die den Schülern heute zur Wahl ständen, sei eine Beratung der Kinder durch die Eltern nur in den wenigsten Fällen möglich.
Daher müsse von vielen Seiten eine gute Aufklärungsarbeit geleistet werden, die es den Schülern dann ermöglicht, eine eigene für sie passende Auswahl zu treffen.

Auch das Wahrnehmen von Praktika sei ein wichtiger Schritt bei der Entscheidungsfindung.
Hier seien auch wieder die Unternehmen gefordert, bei denen er als Landrat gerne werben würde.

Auch die Themen Kindertagesstätten, Förderschulen , Berufsbildende Schulen und vieles mehr wurde angesprochen und diskutiert.

In der Veranstaltung wurde klar, dass Bachen weiß, wovon er spricht und auch Ideen hat, um neues anzuschieben. Als Vision erläuterte er z.B. „Alzey als Universitätsstadt“ im Rahmen einer Fernuniversität. „Scheint es heute vielleicht als noch nicht vorstellbar, muss man dennoch darüber nachdenken dürfen“, so Bachen.

Das nächste POLITIK-LOKAL findet am 19. März um 19.30 Uhr zum Thema „Integrationspolitik“ statt. Der Ort wird noch bekannt gegeben.
Auch dieses Thema ist heute aktueller denn je und wird sicherlich wieder viele Zuhörer finden.
Eingeladen sind alle, die sich für dieses Thema interessieren oder einfach nur ein schönen Abend in gemütlicher Atmosphäre verbringen möchten.